Collegium Georgianum

line-design Wissenschaftsjahr Ingolstadt

Der Bau des Collegium Georgianum ging unmittelbar mit der Gründung der ersten Bayerischen Landesuniversität in Ingolstadt einher. Der niederbayerische Herzog Georg der Reiche stiftete das Kollegiengebäude im Jahr 1494 als Stipendiumstiftung für ein Priesterseminar. Das mehrstöckige Bauwerk mit seinen später hinzugekommenen Anbauten steht gegenüber der Hohen Schule und wird derzeit unter denkmalrechtlichen Gesichtspunkten von der Ingolstädter Kommunalbauten GmbH & Co KG (INKoBau) saniert. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wird das Kollegiengebäude  durch die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt wieder universitär genutzt. Die ehemalige Kapelle St. Peter und Paul wird teilweise von ihren Zwischendecken befreit und steht dann als Veranstaltungssaal zur Verfügung. Die großzügige Fasshalle belebt eine Gastronomie und erinnert an die Brauereinutzung und an das Bayerische Reinheitsgebot von 1516.

Georgianum
© Ulli Rössle

© INKoBau

Mit der Legung einer Zeitkapsel am 10. April 2019 wurde die Sanierung des Georgianums eingeläutet. Alt-Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel versprach „Wir holen das Georgianum aus dem Dornröschenschlaf, denn schließlich stellt das Georgianum – wie kein anderes Gebäude der Stadt Ingolstadt – die Geschichte unserer Heimatstadt über die Jahrhunderte hinweg dar“.

Georgianum Ingolstadt - Zeitkapsel
© Ulli Rössle
Karzer Arrestzelle Georgianum Ingolstadt
© Ulli Rössle

Bereits während der Voruntersuchungen zur Sanierung wurde ein bedeutender Fund gemacht: Ein kleiner, über Jahrzehnte unbeachteter Raum wurde als Karzer identifiziert, eine Arrestzelle der damaligen Universität. Nach dem derzeitigen Stand ist davon auszugehen, dass der im Georgianum entdeckte Raum der älteste bekannte Karzer in Deutschland ist.
Und immer wieder kommt weitere historische Bausubstanz im Innern des Georgianums ans Tageslicht und neue archäologische Fundstellen tun sich auf. So befindet sich im Erdgeschoss, bereits 20 cm unter der Geländeoberkante ein Lehmstampfboden. Die Archäologen vermuten aufgrund von Spuren von Verziegelung eine Feuerstelle. Unter diesem Lehmstampfboden wurde ein sogenannter Humushorizont des 15. Jahrhunderts angetroffen. Nebenan gibt es gleich in mehreren Lagen übereinanderliegende Fußböden und eine bis dahin unbekannte Mauerstruktur aus Kalkstein und Ziegelbruch.
In einem weiteren Raum wurde wenige Zentimeter unter der Geländeoberkante ein etwa 1,5 qm großes Ziegeltonnengewölbe entdeckt. Lage und Ziegelformat lassen auf eine brauereizeitliche Entstehung (um 1830) schließen. Dieses Gewölbes deckt einen über drei Meter tiefen Brunnen ab, der vor der Bauzeit des Georgianums entstand.

Diese Funde, die von den Archäologen mittels Fotografie und Fotogrammetrie dokumentiert werden, verzögern und erschweren so manche der anstehenden Baumaßnahmen. Durch konsequente Umorganisation einzelner Arbeitsschritte kommt die umfangreiche Sanierung des Gebäudeensembles trotzdem voran.

Die Sanierungsarbeiten des Georgianums benötigen eine umfangreiche Sicherung der Baustelle. Die Tatsache, dass das Georgianum als Baudenkmal nationaler Bedeutung eingestuft ist und prominent mitten in der Altstadt steht, veranlasste INKoBau zu einer Zusammenarbeit mit dem Ingolstädter Fotografen und Grafiker Marc Köschinger. Der Künstler übernahm die Verschönerung der Umzäunung, um aus einem sonst oftmals schnöden Bauzaun eine eindrucksvolle Dokumentationswand zu gestalten.
Marc Köschinger hat die Räume des Georgianums vor der Sanierung ausgiebig fotografiert. Viele der Fotografien, die das Stadtmuseum Ingolstadt auch in einem Buch über das Georgianum veröffentlicht hat, sind auf dem mehr als 70 Meter langen Zaun ausdrucksstark in Szene gesetzt. Informative Texte und Fakten zur Geschichte runden das künstlerische Konzept der Dokumentationswand ab.

© Ulli Rössle, Stadt Ingolstadt

Weitere Informationen zur Sanierung sowie ein Bautagebuch finden Sie auf der Homepage der Stadt Ingolstadt Das Georgianum – ein bedeutendes Baudenkmal (ingolstadt.de)

Adresse:

Collegium Georgianum
Hohe-Schul-Straße 5
85049 Ingolstadt