Hohe Schule

line-design Wissenschaftsjahr Ingolstadt

Die Hohe Schule gehört zu den markantesten spätmittelalterlichen Bauten der Ingolstädter Altstadt. Die Stadt mit ihrem kathedralartigen, doppeltürmigen Münster, dem Neuen Schloss, das bei seiner Erbauung alle anderen Residenzen in Bayern übertraf, der „hunderttürmigen“ Stadtmauer und dem imposanten Universitätsgebäude, der sogenannten „Hohen Schule“, veranschaulicht noch heute in mustergültiger Art und Weise eine seinerzeit moderne, spätmittelalterliche Hauptstadt. Allerdings haben regnum, sacerdotium und studium erst zusammengefunden, als die Ingolstädter Herzogslinie 1447 mit Ludwig dem Bärtigen bereits erloschen war.

Hohe Schule
© Szilard Kun
Hohe Schule Ingolstadt
© Erich Reisinger

Herzog Ludwig der Bärtige hatte das Gebäude 1434 als „Pfründnerhaus“ für 15 „pauperes Christi“ errichtet, die als arme Menschen für das Seelenheil des Stifters und seiner Angehörigen beten sollten. Es gehörte zu einer umfangreichen Stiftung im Zusammenhang mit seiner geplanten Grablege im nahegelegenen Münster „Zur Schönen unserer Lieben Frau“. Nach dem Erlöschen des Ingolstädter Herzogshauses war das Gebäude ab 1472 in der Universitätsstiftung des Landshuter Herzogs Ludwigs des Reichen (1450-1479) aufgegangen.

Die von der Universität genutzten Gebäude verteilten sich zwar über die ganze Stadt. Im Umfeld der Hohen Schule konzentrierten sich jedoch im Laufe der Zeit wichtige Baulichkeiten. Sie sind bis heute so weitgehend erhalten geblieben, dass Ingolstadt den Vergleich mit keiner anderen alten Universitätsstadt scheuen muss. Zu nennen sind beispielsweise das unmittelbar benachbarte Georgianum, das Kamerariat, das Münster als „templum academicum“, das Jesuitenkolleg, die Adlerburse, die Professorenhäuser vor allem in Theresien- und Ludwigstraße oder die Alte Anatomie.

Nach einem größeren Umbau bis spätestens 1477 standen die für die Lehre notwendigen Hörsälen zur Verfügung, die nach den Gelehrten Plato, Aristoteles, Boetius, Avicenna, Seneca und Albertus Magnus benannt waren. 1481 wurde der Hörsaal Boetius geteilt, um einen Raum für die Mediziner zu schaffen. Er wird mit dem kreuzgratgewölbten Raum in der Südostecke des Erdgeschosses der Hohen Schule identifiziert. Heute ist er wegen seiner spätgotischen Malereien als „Freskenraum“ bekannt. Im Rahmen des Universitätsjubiläums wird er öffentlich zugänglich sein und als Ausstellungsraum genutzt. Neben den Rankenmalereien an der Decke ist vor allem das Äskulap-Fresko bekannt, das eine Szene aus der Sage des antiken Gottes der Heilkunst wiedergibt. In der Nordwestecke des Gebäudes befand sich eine zweistöckige Kapelle, die der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht war. Sie ist jedoch nur noch im großen Stadtmodellen Jakob Sandtners aus dem 16. Jahrhundert an ihren Fensteröffnungen erkennbar.

Führung Pfründnerhaus Bayerische Landesuniversität - Dachstuhl Hohe Schule
© Erich Reisinger

Besonders bemerkenswert ist der mächtige Dachstuhl des Gebäudes. Die aufwändige Konstruktion stammt noch aus dem Spätmittelalter. Wegen zu geringer Querversteifung mussten im Jahr 1510 Hilfskonstruktionen eingebaut werden. Aber erst um 1750 wurde es wegen Einsturzgefahr notwendig, wichtige Teile des Dachwerks in größerem Umfang auszutauschen. Diese mit großem Sachverstand ausgeführten Arbeiten ermöglichten seinen Fortbestand bis zum heutigen Tag.

Bis 1800 blieb die Hohe Schule Sitz der Bayerischen Landesuniversität. Danach wurde sie bis weit ins 20. Jahrhundert überwiegend als Schulhaus genutzt. In den 1930er Jahren erfolgte ein Umbau in zum Teil historisierenden Formen. Federführend war der bekannte Ingolstädter Baurat Franz Schwäbl. Damals rekonstruierte man den markanten Dachreiter. Weiterhin stammen die Türen und die Treppe aus dieser Zeit. Wenig später, 1939, wurde der Mittelgang des Erdgeschosses zu einem Luftschutzraum umgebaut. Diese jüngsten Spuren der langen, wechselvollen Geschichte des Hauses wurden jedoch bei der umfassenden Renovierung der Hohen Schule in den 1990er Jahren wieder entfernt.

Fotos: © Ulli Rössle, Stadt Ingolstadt

Adresse:

Hohe Schule
Goldknopfgasse 7
85049 Ingolstadt